Erklärung zum Internationalen Jahr des Riffes 2008
Veröffentlicht bei der Abschlussveranstaltung zum Internationalen Jahr des Riffes 2008 im Museum für Naturkunde, Berlin
9. Dezember 2008
Anlässlich des zu Ende gehenden Internationalen Jahrs des Riffes 2008 (International Year of the Reef - IYOR) rufen die Unterzeichnenden die Regierungen, die Wirtschaft und die Bevölkerung dazu auf, einen Beitrag zum Schutz der Korallenriffe zu leisten.
Die Mitglieder des Beirates, des Koordinations- und des Expertenteams von IYOR Deutschland, sowie Vertreter der Wirtschaft, von Umweltgruppen und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit stimmen darin überein, dass auch Deutschland - obwohl fern der Riffe - mitverantwortlich für den weltweiten Niedergang der Riffe ist und wichtige Beiträge dazu leisten kann, die Korallenriffkrise zu bremsen. Die Aufrufe der Internationalen Korallenriff-Initiative haben nichts von ihrer Dringlichkeit verloren (1995 Call to Action, 1995 Framework for action, 1998 Renewed Call to Action) und wurden auf dem 11th International Coral Reef Symposium 2008 erneuert (http://www.thepetitionsite.com/1/11th-international-coral-reef-symposium-call-to-action).
Faktoren wie die Erwärmung und Ansäuerung der Ozeane durch Treibhausgase, insbesondere Kohlendioxid, bedrohen Korallenriffe in drastischer Weise. Die Konsequenzen der globalen Klimaveränderung sind aber kaum auf direktem Wege zu bekämpfen. Höchste Priorität muss dem Zustandekommen, der Verbesserung und der rigorosen legislativen Umsetzung von internationalen Klimaschutzvereinbarungen eingeräumt werden. Daneben gibt es aber auch eine ganze Reihe von individuellen Maßnahmen, die die Emission von CO2 wirksam reduzieren. Die Gesamtheit der Verhaltensänderungen jedes Einzelnen kann viel bewegen.
Für den unmittelbaren Schutz von Korallenriffen gegen die bereits stattfindenden und nicht mehr aufzuhaltenden Konsequenzen der Klimaveränderung bieten sich alle Maßnahmen an, die dazu geeignet sind, die Widerstandskraft von Riffen zu stärken, indem sie möglichst weitgehend von allen anderen direkt vom Menschen verursachten Stressfaktoren befreit werden.
Eine wesentliche Maßnahme ist die Einrichtung neuer und Verbesserung bestehender Meeresschutzgebiete. Die Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft ist dabei von ganz zentraler Bedeutung.
Eine solche Strategie fördert nachweislich die Regenerationsfähigkeit von Korallenriffen. Und das ist das Entscheidende: Korallenriffe können sich von Katastrophenereignissen erholen, wie eine ganze Reihe von Positivbeispielen gezeigt hat.
Wir sollten ihnen die Möglichkeit dazu geben und sofort anfangen zu handeln!
Bedrohungen und vorgeschlagene Maßnahmen
Globale Bedrohung: Erwärmung und Versauerung
Maßnahmen:
Schnelle und massive Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen
- Reduktion des Verbrauchs fossiler Energie
- Ausbau regenerativer Energienutzung
- Individuelle Maßnahmen (Verhaltensänderungen jedes Einzelnen)
Regionale Bedrohung: Verschmutzung und andere Einträge von Land
Maßnahmen:
- Nachhaltige Bewirtschaftung der Landflächen, die in Riffregionen entwässern
- Erhalt des Regenwaldes bzw. der natürlichen standorttypischen Vegetation
- Förderung extensiver küstennaher Landwirtschaft anstelle von Monokulturen von Zuckerrohr und Palmölplantagen
- Erhalt von Küstenwäldern und Mangroven
- Förderung des Baus von Kläranlagen
- Reduzierung des Pestizideinsatzes
- Reduzierung des Abwassereintrags ins Meer bei Tagebau (Erzabbau)
Lokale Bedrohung: Überfischung, nichtnachhaltige Nutzung, Tourismus
Maßnahmen:
Verzicht auf Import von bestimmten Meeresorganismen:
- Rifffische
- Fische und Korallen für die Aquaristik aus nicht-zertifizierten Wildfängen
- Garnelen, für deren Massenhaltung Mangrove gerodet wurde
Reduzierung der Fischereiaufwandes und Verzicht auf Grundnetze, v.a. in Gebieten mit Kaltwasserriffen
Entwicklungszusammenarbeit: verstärktes Engagement in Riffgebieten:
- Stärkung der Widerstandskraft von Korallengemeinschaften durch Schutzgebiete
- Großräumige, auch internationale Vernetzung von Meeresschutzgebieten stärken
- Management der Riffflächen verbessern, die nicht unter Schutz stehen
- Förderung von ökologischen und sozioökonomischen Überwachungsprogrammen
- Förderung von nachhaltiger Fischerei und umweltverträglichem Küstentourismus sowie zusätzlichen alternativen Einkommensquellen
- Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung von Zertifizierungssystemen für Fischereien und Aquakulturen
- Unterstützung bei der Umsetzung von bestehenden Gesetzen
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Internationale Initiativen, Gremien und Vereinbarungen:
Deutschland muss Mitglied bei ICRI (International Coral Reef Initiative) werden:
- Dies würde ein sichtbares Signal setzen, dass Deutschland sich über die Grundlagenforschung hinaus für den Erhalt dieser stark bedrohten Ökosysteme engagiert. Eine Mitgliedschaft bei ICRI wäre ein deutliches Zeichen für die Nachhaltigkeit der Bemühungen Deutschlands beim internationalen Schutz von Natur und Biodiversität
Deutschland muss den derzeitigen Vorsitz beim Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) nutzen, um:
- die Schaffung eines globalen Netzwerks von Meeresschutzgebieten bis spätestens 2012 zu erreichen
- Korallenriffe als extrem wichtige Zentren der Arten- und Ressourcenvielfalt ausdrücklich hervorzuheben
Forschung:
- Intensivierung und Koordinierung der Riffforschung
- Stärkung und Ausbau des deutschen Beitrags zur Korallenriffforschung, sowohl in tropischen als auch in Kaltwasserriffen
- Einrichtung, Gestaltung und Management von Meeresschutzgebieten
- Sozioökonomische Forschungsansätze unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung (Suche nach alternativen Einkommensquellen)
Information:
- Verbreitung von wissenschaftlichen Information durch frühzeitige Einbindung von Medien in Forschungsvorhaben
- Förderung von nachhaltigen und verantwortungsbewussten Korallenrifftourismus durch Informationsmaterialien- und Kampagnen (Medien, Presse, Reiseveranstalter)
- Behandlung des Themas Riffe im Schulunterricht
Erstunterzeichner: (alphabetisch)
Uwe Abraham, Berliner Gesellschaft für Großaquarien mbH Holger Anlauf, Seacology, Germany e.V. Prof. Dr. Horst Bayrhuber, IPN Kiel Dr. Harald Benke, Deutsches Meeresmuseum Stralsund Prof. Dr. Franz Brümmer, VDST/Universität Stuttgart Daniela Demski, Landestauchsportverband Berlin e.V. Tina Dohna, UFT Universität Bremen Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo, IFM-GEOMAR Dr. Sebastian Ferse, ZMT Bremen Dr. Marcos Gektidis, Filmautor, Frankfurt Dr. Onno Gross, deepwave Hamburg Gerd Haegele, Filmautor, München Prof. Dr. Moshira Hassan, American University in Cairo, Kairo, Ägypten Dr. Christoph Häuser, Museum für Naturkunde Berlin Dr. Georg Heiss, Museum für Naturkunde Berlin Alexandra Hellbach, Berliner Gesellschaft für Großaquarien mbH Christiane Hüerkamp, Biosphäre Potsdam GmbH Prof. Dr. Wolfgang Kiessling, Museum für Naturkunde Berlin Dr. Marc Kochzius, UFT Universität Bremen Dr. Friedhelm Krupp, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt Dr. Andreas Kunkel, Museum für Naturkunde Berlin Prof. Dr. Reinhold Leinfelder, Museum für Naturkunde Berlin Dr. Wera Leujak, Save Our Seas Foundation Maria Liebsch, UFT Universität Bremen Dr. Gerd Maack, VDST Dr. Dietrich Maronde, Universität Bonn Heike Mewis, Museum für Naturkunde Berlin Malik Naumann, Ludwig-Maximilians-Universität München Dr. Marc Nolting, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Eschborn Eike Otto, Berater für Regionalentwicklung und Tourismus Dr. Götz-Bodo Reinicke, Deutsches Meeresmuseum Stralsund Prof. Dr. Claudio Richter, Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven Cornelia Roder, ZMT Bremen Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Marie-Lise Schläppy, Reef Check Australia, Townsville Prof. Dr. Helmut Schuhmacher, Universität Duisburg-Essen Alexander Schülke, Hertie School of Governance Berlin Alfred Schumm, WWF Deutschland Hamburg Frank Schweikert, ALDEBARAN Marine Research & Broadcast Hamburg Dr. Gesine Steiner, Museum für Naturkunde Berlin Dr. Ulrich Struck, Museum für Naturkunde Berlin Janne Timm, UFT Universität Bremen Prof. Dr. Ralph Tollrian, Universität Bochum Prof. Dr. Gerold Wefer, MARUM Bremen Dr. Christian Wild, Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Dr. Gert Wörheide, Ludwig-Maximilians-Universität München
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